Risiken und Nebenwirkungen eines Munitionsdepots in deiner Nachbarschaft
Die Bundesregierung setzt auf Abschreckung durch Stärke und nimmt hunderte Milliarden Euro Kredite auf, um die Bundeswehr zur stärksten Streitkraft der NATO nach den USA zu machen. Viel Geld fliesst dabei in den Ausbau der Infrastruktur der Bundeswehr - Kasernen, Flugplätze, Übungsgebiete etc – und natürlich auch Munitionsdepots.
Das Munitionsdepot bei uns in der Nähe – im Köpperner Wald am Winterstein - ist das zweitgrößte der Bundeswehr. Es hat schon jetzt eine Kapazität für 40.000 Tonnen Munition. Die Vorbereitungen für seinen Ausbau sind im Gange. Was dort heute lagert und was in welcher Menge künftig dort gelagert werden soll, bleibt geheim. Zumindest gegenüber den Bürger*innen und Gemeinden in der Region. Eines ist aber offensichtlich:
Das Munitionsdepot wird zu den ersten Zielen gehören, die im Kriegsfall angegriffen werden.
So wie der Internetknoten in Frankfurt, der der leistungsfähigste weltweit ist.
So wie die Kommandozentralen der US Streitkräfte und der NATO in Wiesbaden.
Wer den Freizeitpark Lochmühle oder den Hessenpark besucht und mit dem Auto aus Richtung Autobahnabfahrt Friedberg kommt, der fährt daran vorbei. Im „Köpperner Wald“ rechts der Straße umzäunt ein 8,7 Kilometer langer Zaun eine Fläche von 254 ha. Anfang der 1990er Jahre hatte der Bund das Depot vom US Militär übernommen, es erweitert und schließlich von der Gemeinde Rossbach noch 67 ha Wald eingetauscht. Schon 2011 war der Plan, die alten Bunkeranlagen zu modernisieren und neue zu bauen. Die örtliche Zeitung berichtete darüber. (1)
Ende 2021 war das Depot erneut in den Schlagzeilen als der Spiegel einen Artikel brachte, dass bei dort gelagerten Raketensprengköpfen Nitroglyzerin austrat. 2024 schrieb dann wiederum die Regionalzeitung, dass diese Sprengköpfe zu einer Fachfirma nach Kroatien gebracht wurden. Dort sollten sie bis Ende 2025 vernichtet werden, denn durch die Undichtigkeit wären sie für den Ukrainekrieg nicht brauchbar gewesen. (2)
Und jetzt?
Jetzt wird der Ausbau unter Leitung vom Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen vorbereitet. Wie komplex die Auswirkungen sein können kann man daran sehen, dass noch eine ganze Menge an Fachgutachten eingeholt werden müssen. Der Usinger Anzeiger berichtete am 10.2.2026:
„Auf Nachfrage … bei der Bundeswehr selbst bestätigte ein Sprecher des Bundesamts für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr die Umbaupläne. … 'Im Zuge dieser Instandsetzungsplanung wird das Munitionslager Köppern sukzessive auf den neuesten Stand der Technik gebracht', so der Sprecher. Dies umfasse alle Bereiche der Munitionslagerung, -bearbeitung sowie den Verwaltungsbereich ...Die Arbeiten werden sich über mehrere Jahre erstrecken. Geplant ist ein Zeitraum zwischen 2026 bis 2028.“ (3)
In einem längeren Artikel der Printausgabe war in der Wetterauer Zeitung am 25.2.2025 zu lesen:
„Laut Bundesforst sind u.a. Rodungen von deutlich über zehn Hektar Forst vorgesehen, wobei Teile der Rückschnittsflächen im Anschluss wieder in Waldflächen überführt werden sollen. Wald, der dadurch dauerhaft anders genutzt und teilweise versiegelt werden wird, zusätzlich zu den geplanten Windrädern am Winterstein. Das Planungsgebiet des Landesbetriebs setzt sich aus zwei Teilflächen zusammen. Die Fläche im südlichenTeil nimmt mit 136,8 Hektar fast den gesamten Südteil des Geländes ein; hier befinden sich bereits Bunkeranlagen (der Bereich gilt als Flächendenkmal), die jedoch nur teilweise genutzt werden. Die nördliche Teilfläche jedoch bedeckt etwa 16,8 Hektar und ist mit Ausnahme einer Erschließungsstraße vollständig bewaldet. Das Munitionsdepot liegt direkt am Rand eines Trinkwasserschutzgebiets und mitten im Naturpark Hochtaunus. Auch im Munitionsdepot richtet man sich darauf ein, Hochwasserschutzmaßnahmen vorzunehmen (um das Wasser zurückzuhalten), da durch den Ausbau noch mehr Waldfläche versiegelt werden könnte, was verhindert, dass das Wasser in den Boden einsickern kann. Dies wird besonders angesichts der Situation im von Hochwasser bedrohten Pfaffenwiesbach relevant. Der Ausbau des Munitionsdepots hat natürlich auch Folgen für den Wald. Der Landesbetrieb nennt als Worst-Case-Szenario drei mögliche Folgenkomplexe, wie sich der Ausbau auswirken würde und wird, die eintreten können, aber nicht müssen. Genannt sind temporäre Folgen, permanente Folgen sowie Faktoren, die sich aus dem Betrieb ergeben. Wenn das Depot erweitert wird, wird dies natürlich zu einer dauerhaften Lebensraumveränderung der dortigen Biozönosen (tierische und pflanzliche Lebensgemeinschaften) führen, Lebensraum für Pflanzen, Tiere und Pilze geht verloren und Boden wird versiegelt. Dies kann Mikroveränderungen im Wind- und Wasserhaushalt nach sich ziehen. Zudem gehen klimarelevante Flächen verloren, der Boden könnte verdichtet werden. Im schlimmsten Fall kann sich das auch auf das Grundwasser auswirken – sollte es verunreinigt werden. Während der Bauarbeiten wird es zudem auch immer wieder zum Ausleuchten der Baustelle kommen – also zu vermehrten Lichtemissionen. Genannt sind auch mögliche Schadstoffemissionen sowie Abfälle, die im laufenden Betrieb entstehen und Mensch und Tier belasten, sowie einer Vertreibung von Lebewesen, die bislang in dem Habitat gelebt haben.“ (4)
Im Kommentar unter dem Artikel taucht dieser komplexe Sachverhalt nicht mehr auf. Dort ist unter der Überschrift „Verschoben“ zu lesen:
„Wenn naturbewusste Menschen von den Plänen hören, mehr als zehn Hektar Wald in Wehrheim für den Ausbau eines Militärgeländes zu roden, mag ihnen das Herz bluten. Dieser Plan hat verheerende Auswirkungen auf die dort angesiedelten Lebensgemeinschaften. Tiere verlieren ihre Heimat, Pflanzen ihr Leben. Doch angesichts der politischen Lage und des Expansionsstrebens Russlands, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der täglichen Fernsehbilder aus der von Raketen- und Drohnenangriffen heimgesuchten Ukraine, dürfte klar sein: Tiere verlieren ihre Heimat und Pflanzen ihr Leben, damit wir nicht um unsere Heimat oder gar unser Leben fürchten müssen. Die Prioritäten haben sich verschoben.“ (5)
Protest und Widerstand
Der Protest gegen das Munitionsdepot hat eine lange Geschichte. Aktivisten aus umliegenden Gemeinden und aus der Friedensbewegung haben immer wieder die Schließung des Depots gefordert. Ein Depot, in dem die US Streitkräfte sehr wahrscheinlich auch Atomsprengköpfe lagerten. Ein Depot, das seit der Übernahme durch die Bundeswehr oft als Zwischenlager für ihre Einsätze im Ausland und für Rüstungsexporte genutzt wurde. Mit den unkalkulieren Risiken, die die Lagerung, die Bearbeitung, der An- und Abtransport von Munition mit sich bringen.
Naturschutz oder Verteidigung?
Der Ausbau des Depots gehört zu den vielen militärischen Infrastrukturmaßnahmen, die die Bundesregierung mit Priorität vorantreibt. Andernorts sind dieser Priorisierung fürs Militär schon etliche zivile Vorhaben zum Opfer gefallen – von den fertig geplanten Bau- und Gewerbegebieten bis hin zur Einrichtung von Naturschutzzonen.
Was wird wohl geschehen, wenn es z.B. heißen sollte:
Der Ausbau des Munitionsdepots gefährdet die Wasserversorgung?
Quellen:
(1) Wetterauer Zeitung – 10.11.2011 - Stadt tauscht Flächen im Bundeswehr-Munitionsdepot https://www.wetterauer-zeitung.de/wetterau/rosbach-ort848709/stadt-tauscht-flaechen-bundeswehr-munitionsdepot-12084291.html
(2) Wetterauer Zeitung – 14.11.2024 – Gefahr von „schwitzenden“ Raketen ist gebannt
https://www.wetterauer-zeitung.de/wetterau/rosbach-ort848709/gefahr-von-schwitzende-raketen-ist-gebannt-93412608.html
(3) Usinger Anzeiger – 10.2.2026 – Das Munitionsdepot wird auf den neuesten Stand gebracht https://www.usinger-anzeiger.de/lokales/wehrheim-ort893441/das-munitionsdepot-wird-auf-den-neuesten-stand-gebracht-94163316.html
(4) und (5) Wetterauer Zeitung – 25.2.2026 – Printausgabe: Munitionsdepot wird erweitert
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